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Mit dem Tod von Osama Ben Laden wurde das Thema Terrorismus wieder einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Aus Indonesien, dem weltgrössten muslimischen Land, kommt ein mitreissender Bericht über eine andere Art und Weise, wie mit religiösem Extremismus umgegangen und Gewalt, die im Namen von Religion verübt wird, verhindert werden kann. Artikel von Miftahul Huda, einem freiwilligen Mitarbeiter von Initiatives of Change/Indonesien.
Mit über 206 Millionen Einwohnern, darunter 87% Muslime, ist Indonesien das grösste muslimische Land der Erde und die drittgrösste Demokratie der Welt. Aber es ist kein islamischer Staat. Der Islam hat in Indonesien einen "Mittelweg" auf der Basis der "Pancasila" gewählt: fünf Leitprinzipien für das Land, die während der indonesischen Revolution zusammengestellt wurden. Sie bestehen aus: 1. Glaube an einen obersten Gott. 2. Ein gerechter und zivilisierter Humanismus. 3. Die Einheit Indonesiens. 4. Demokratie. 5. Soziale Gerechtigkeit.
Ein Chor in Surabaya beim Weihnachtsgottesdienst 2006 (Foto: Hennie de Pous-de Jonge)Indonesien besteht aus mehr als 360 Stämmen, 525 lokalen Sprachen und 17 800 Inseln. Andere Religionen sind protestantische (6%) und katholische Christen (3,5%), Hindus (1%), Buddhisten (1%) und andere. Während die Bevölkerung der meisten Inseln hauptsächlich Muslime sind, ist Bali zu 90% hinduistisch und die Nord-Sulawesi-Provinz besteht zu 65% aus Protestanten. Das Motto unseres Landes is "Einheit in der Vielfalt".
Für diese Geisteshaltung hat Initiatives of Change (IofC) Indonesien eine wichtige Rolle gespielt. Eine Gruppe der Moralischen Aufrüstung (wie IofC früher bekannt war) kam in den 1950er Jahren nach Indonesien und traf unseren ersten Präsidenten Sukarno, obwohl die Organisation später verboten wurde. Über Jahrzehnte hinweg besuchten verschiedene Personen aus IofC das Land und hielten Freundschaften am Leben. Dann besuchten im Jahr 2003 Menschen von IofC Australien und anderen Ländern eine Studentengruppe, angeführt von Bahrul und Dadan, zwei Studentenführern der State Islamic University in Jakarta. 2004 erhielt die Gruppe den Besuch von Teilnehmern des IofC-Programms Action For Life. Das Ziel der Gruppe war es, Zeiten der Stille zu praktizieren und die Werte von IofC weiterzugeben, um Veränderung ins Leben zu rufen. Seitdem ist unser Team gewachsen. 2006 organisierten und führten wir die internationale Asia-Pacific Youth Conference durch und wurden als NGO unter dem Namen Lembaga (Institution) Initiatives of Change Indonesia registriert.
Lassen sich die Ideen von IofC mit den Werten des Islams vereinen? Diese Frage wurde bei unserer ersten Einführung von IofC durch das Programm der State Islamic University Jakarta gefragt, wo die Studenten aus einem islamischen Hintergrund stammen und oft Schulabgänger von Pesantren, den traditionellen islamischen Internaten, sind.
Zuerst diskutierten wir darüber, ob wir die Ideen von IofC annehmen sollten und warum wir mit IofC weiterarbeiten wollten, da wir das Gefühl hatten, IofC würde auf westliche Art und Weise dargestellt und repräsentiere das Christentum (was historisch gesehen richtig ist). Im Rückblick gibt es ein paar grundlegende Gründe, warum wir weitergemacht haben. Als erstes fühlten wir uns von der Freundschaft, die wir mit Freunden, die die Werte von IofC praktizierten, erlebten, angezogen. Wir trafen zum Beispiel Menschen aus dem Ausland, die keinen Alkohol tranken und nicht rauchten. Diese Art zu Leben wird in islamischen Kulturen ermutigt. Ein anderes Beispiel waren die Zeiten der Stille am frühen Morgen.
Als Moslem muss ich früh aufstehen, um zu beten, aber ich habe es nicht immer sehr gut gemacht. Ein christlicher Freund weckte mich auf und forderte mich heraus, meine Gebetszeit abzuhalten. Er lud mich ein, diese morgendliche Übung abzuhalten und eine Zeit der Stille zu haben. Ich fand, dass dieser Freund sich wirklich um mich kümmerte und "muslimischer" war als ich.
Zweitens glauben wir, dass es Gottes Plan war, dass IofC den richtigen Leuten am richtigen Ort im Jahr 2002 vorgestellt wurde. Der richtige Ort war die State Islamic University, die eine der führenden Universitäten für progressiven Islam geworden ist. Sie trug zur Integration von Muslimen in den Angelegenheiten des Nationenstaates bei. Die "richtigen" Leute sind Studentenführer, oft aus Pesantren, wo sie 6 Jahre lang oder noch mehr den Islam studiert haben, offen sind und dem Mainstream-Islam in Indonesien folgen. Dadurch wurde akzeptiert, dass die Ideen von IofC und islamische Werte vieles gemeinsam haben, vor allem die Beziehung zwischen Menschen verschiedener religiöser Herkunft.
IC-Besucher mit dem Komitee der State Islamic University in Indonesien, September 2003Nach dem Islam sagt der heilige Koran in Al Hujarat 13: Allah sagt "Oh ihr Menschen! Wir haben euch als Mann und Frau geschaffen und haben Nationen und Stämme für euch gemacht, damit ihr euch gegenseitig kennt. Der Nobelste unter euch ist vor Allahs Angesicht der, der sich am besten verhält. Allah ist allwissend. Seid wachsam!"
Dieser Vers sagt nicht "Oh Muslime!", sondern "Menschen", so dass wir uns auf jeden einlassen müssen, egal aus welchen Verhältnissen er stammt. Praktisch gesehen heisst das, dass wir auch glauben, dass wir durch IofC lernen können und unseren Beitrag zu einem höheren Sinn im Leben leisten. Wie wir im Islam sagen: "Der Beste unter euch ist der, der dem anderen am meisten zu Nutzen ist:"
Kerzenlicht-Song des IofC-Teams Indonesien an der UIN (State Islamic University) JakartaDer dritte Grund ist der Geist der Einheit. Im Islam haben wir drei herausragende Arten von Beziehungen. Die erste ist Ukhuwah Islamiyah (Islamische Brüderschaft), die zweite Ukhuwah wathoniyah (Nationale Brüderschaft), wo als wir als Muslime uns um unser Land kümmern und uns verantwortlich fühlen sollen und die letzte ist Ukhuwah Insaniyah (Menschliche Brüderschaft), wo wir als Menschen einander helfenund zusammenarbeiten müssen. Durch IofC praktizieren wir die Menschliche Brüderschaft, wo wir uns um Leute, egal wie unterschiedlich sie sind, kümmern, weil wir alle Menschen sind.
Darum konzentrieren wir unsere Bemühungen darauf, die Pluralität Indonesiens zu bewahren und dabei zu helfen, ein Indonesien zu schaffen, das besser entwickelt und friedlicher ist. Es gibt verschiedene Initiativen, um Werte des Sichkümmerns und der Liebe zu den Indonesiern weiterzugeben, um Vertrauen und Frieden in der Gesellschaft durch die Werte der Ehrlichkeit, der Reinheit, der Selbstlosigkeit und der Liebe aufzubauen und um soziale Veränderung durch persönliche Veränderung zu schaffen.
1) Jugendcamp für den Frieden
Das indonesische Team hat bislang sechs Jugendcaöps für den Frieden organisiert, die einmal im Jahr stattfinden. Die Wochenend-Camps bilden einen Treffpunkt für junge Leute, um inneren Frieden zu finden, eine Zeit der Stille zu üben und sich über Werte für das Leben auszutauschen. Diese Camps helfen, einen Sinn für persönliche Verantwortung und den Wert, aktiv zu werden, um anderen zu dienen, zu schärfen. Einige Initiativen waren das Resultat solcher Camps: beispielsweise die Unterstützung eines Projekts, um Kindern im Dorf Panawuan Bücher zu geben, Schulleitungs-Programme für Studenten anzubieten und unsere Initiative "Indonesien ist mir wichtig!" in Jakarta und Tangerang. Wir besuchen auch Gemeinden und führen Projekte durch, wie Strände reinigen auf einer der Inseln in Jakarta.
Mit dem Anwachsen des Teams spielen wir auf nationaler Ebene eine Rolle, wo wir mit anderen NGOs und Einzelpersonen zusammenarbeiten, um Lösungen für dieses Land zu finden. Mit unserer Beraterin Lily Zakiyah Munir (die für das Humanitarian Centre for Pesantren and Democracy arbeitet) haben wir Studentencamps für den Frieden mit 100 Teilnehmern aus 50 Gymnasien, Universitäten und islamischen Internaten in Solo Central Java und Bandung West Java abgehalten. Die Studenten gründeten SAVE - Indonesia (Studenten gegen Gewalt und Extremismus), und engagierten sich für die Schaffung einer friedlichen Gesellschaft durch das Respektieren der Diversität als Teil unseres nationalen Schatzes, die Ablehnung, sich auf diskriminatorische Einstellungen oder Verhaltensweisen einzulassen, die anderen Menschen schaden, den Einsatz gegen jegliche Form von Gewalt auf allen Ebenen und die Stärkung des Geistes der Brüderschaft mit Respekt und Frieden zum Wohle der Einheit und Harmonie Indonesiens.
IofC Indonesien hat auch mit dem CVJM Jakarta, Nahdlatul Ulama Youth Association (NU, "dem ERwachen der muslimischen religiösen Gelehrten") und anderen NGOs zusammengearbeitet, um auf Terrorismus und Radikalismus in Indonesien zu antworten. Terrorismus und Radikalismus schaden nicht nur unserem wirtschaftliche, sondern auch unserem sozialen Leben. Wir antworten auf das Problem des Terrorismus und des Radikalismus durch offenen Dialog und den Austausch darüber, was es heisst, Muslim,Christ oder Angehöriger einer anderen Glaubensgemeinschaft zu sein, um an einem friedlichen Indonesien mitzuarbeiten.
2). Friedensbildung für Frauen
Bei Initiatives of Change Indonesien gibt es einen Frauen-Club, unterstützt von Freunden rund um den Erdball als Teil der IofC-Bewegung Creators of Peace (CoP). Sie haben CoP-Workshops in Lenteng Agung Jakarta, Garut und Ciputat organisiert und setzen sich dafür ein, diese Workshops weiter zu führen, um mehr Frauen zu ermutigen, Agenten des Friedens zu sein. Sie haben Kernteams gebildet, um Programme in Jakarta und darüber hinaus ins Leben zu rufen.
Der Friedensstifter-Kreis innerhalb unseres Teams ist nicht nur ein Programm für Frauen, sondern auch ein Spiegel des Einstellung, die wir im Bezug auf Geschlechtergleichheit haben, wo Frauen und Männer gleichberechtigt sind und lernen müssen, effektiver für die Gesellschaft zusammen zu arbeiten. Dies kommt uns auch als junger Gesellschaft zugute, um die Bereiche zu verstehen und zu betrachten, wo die Beziehung zwischen Männer und Frauen gleichberechtigt sind und sich gegenseitig unterstützen.
3). Lehrer für Veränderung
Dies ist eine Initiative, um Veränderung im Bildungssektor zu bewirken. Es ist ein Raum für Lehrer, um über ihre Sorgen zu reden und zu reflektieren und um für Veränderung inspiriert zu werden. Ein Raum, um ihre persönliche Vision zu finden und einen grösseren Sinn in ihrem Leben zu haben, um mit Lehrern überall im Land zusammen zu arbeiten.
Die Vision von "Lehrer für Veränderung" ist die, Lehrer und Erzieher darin zu unterstützen, der jüngeren Generation bei ihrer Entwicklung zu helfen. Wir erhoffen uns für sie, zukünftige Leiter mit Wissen, Moral und geistlicher Stärke zu sein, so dass sie tapfer, mitfühlend und verantwortlich in der Gesellschaft sein können. Wir haben vor, dieses Programm zweimal jährlich durchzuführen. Die erste Veranstaltung von "Lehrer für Veränderung" fand vom 25.-27. März 2011 in Ciputat stattund wurde mit Hilfe des Teams von Action for Life 5 durchgeführt. Von dieser ersten Veranstaltung haben uns Anfragen von Teilnehmern erreicht, um interne Fortbildungen für Lehrer an ihren Schulen abzuhalten und für einen anderen "Lehrer für Veränderung"-Workshop dieses Jahr in Magelang/Zentraljava, wo eine Gruppe von Lehrern der Muhammadiyah-Schulen sehr an einem Programm für Lehrer in ihrer Gegend interessiert ist.